In meinem Nachtkästchen fand ich einen Brief von René Magritte. Das ist nichts Ungewöhnliches, fungiert mein Nachtkästchen doch, wie ich herausgefunden habe, als eine Art toter Briefkasten und stellt auf diese Weise eine Verbindung mit dem Jenseits her. Personen, die sich dort aufhalten, dient er gelegentlich zur Kommunikation mit dem Diesseits. Ich bin sicher, es gibt eine ganze Reihe solcher Schnittstellen und fühle mich deswegen keinesfalls privilegiert oder gar auserwählt wie manch anderer, befände er sich in einer vergleichbaren Situation.
Wie aus dem Brief hervorgeht, verbrachte René Magritte den größten Teil seiner Kindheit in einer riesigen Siedlung mit hunderten von Wohnungen, mehrstöckigen Wohnblöcken, einem Einkaufszentrum und einem Pensionistenklub (Haus der Silberrücken). Für die Kinder der Siedlung hatten die Architekten in ihren weißen Mänteln lediglich ein paar schmale Rasenstreifen zwischen den Belüftungsschächten des Kellers, den Parkflächen und Müllplätzen mit den verschieden farbigen Tonnen vorgesehen. So kam es, dass René eine dieser Rasenflächen zu seinem ersten Atelier erklärte.
Ich schreibe meine Berichte in Anlehnung an seine, unweigerlich, weil er zuerst etwas geschrieben hat. Selbst wenn ich darauf bestehe, etwas ganz anderes zu machen, ist es doch stets wieder eine Antwort auf das, was er bereits gemacht hat. Und ich muss sagen, ich genieße das. Ich genieße es, zu antworten. Ich genieße den Dialog. So kommt es mir zumindest vor. Ich stelle mir vor, wir gestalten eine Stadt, gemeinsam, zwei Architekten mit unbegrenzten Möglichkeiten, denn wir brauchen ja niemals wirklich einen Grundstein zu legen; wir legen in diese Stadt, was uns gefällt.
(Textbeitrag: Andrea Grill)
Die Baugruppe Seestern Aspern freut sich InteressentInnen für ihr Wohnprojekt zu folgenden Infoterminen einzuladen: Weiterlesen →
“I wrote this book for myself, an even that I can’t be sure of. For a lont time these were just loose pages I reread and maybe tinkered with, convinced I had no time. But time for what? I couldn’t say exactly. I wrote this book for the ghosts, who, because they’re outside of time, are the only ones with time. After the last rereading (just now), I realize that time isn’t the only thing that matters, time isn’t the only source of terror. Pleasure can be terrifying too, and so can courage.”
Aus: Roberto Bolano: Antwerp. New York: New Directions 2010, p. ix
(Textbeitrag: Thomas Ballhausen)
I was remembering something I had seen about a year earlier: the sprawling scale model of the city (…) The model had been built fort he World’s Fair in 1964, at great cost, and afterward had been peridocially updated to keep up with the changing topography and built environment of the city. It showed in impressive detail, with almost a million tiny buildings, and with bridges, parks, rivers, and architectural landmarks, the true form of the city. The attention to detail was so meticulous that one could not help but think of Borges’s cartographers, who, obsessed with accuracy, had made a map so large and so finely detailed that it matched the empire’s scale on a ratio of one to one, a map in which each thing coincided with its spot on the map. The map proved so unwieldy that it was eventually folded up and left to rot in the desert.
(From Teju Cole’s novel „Open City“, Faber and Faber, London 2011)
Vielleicht müsste man die Leute dazu ermutigen, Geld zu besitzen statt Häusern. Sie könnten das in Ruhe und mit geringen Umweltbelastungen anhäufen und aufbewahren, platzsparend, in Stapeln; oder noch besser, sie konzentrieren sich auf das Anhäufen von virtuellem Geld, Geld, das vorhanden ist, aber nicht einmal gedruckt werden muss, keine geschnetzelten gepressten Bäume, keine Druckerschwärze, keine Wasserzeichen. Ein jeder bekommt eine Karte, da ist das Geld drauf. Man müsste Werbung dafür machen, dass das Anlegen in purem Geld die sicherste Form der Altersvorsorge ist.
Auf diese Weise ließe sich vermeiden, dass Menschen Häuser kaufen, in denen sie nicht leben, die sie ein Leben lang für den Notfall aufbewahren. So würde die Bautätigkeit reduziert, die Feinstaubbelastung vermindert. Die freien Flächen, die notwendig sind, um Aussichten und wilde Tiere aufzubewahren, blieben verschont.
(Textbeitrag: Andrea Grill)
Unter meinem Sofa herrscht absolute Ruhe. Es ist der ideale Ort für ein Gespräch, bei dem man nicht gestört werden möchte. Die hektischen Bedingungen des Alltags sind hier unten kaum zu spüren. Unter diesen, ein wenig eigentümlichen Umständen unterhielt ich mich zuletzt mit Emile Beyle, besser bekannt unter seinem literarischen Pseudonym: Stendhal. Allzu verwunderlich ist das nicht, schließlich kommt niemand im Rahmen einer Auseinandersetzung mit Aspern, seiner Umgebung und seiner Geschichte an der großen Schlacht vorbei, die sich Napoleon hier 1809 mit seinem Widersacher Erzherzog Karl von Habsburg geliefert hat. An dieser Auseinandersetzung nahm Stendhal – das mag glauben, wer will – als Angehöriger der französischen Armee teil. Wie übrigens auch an anderen, die uns jedoch an dieser Stelle nicht im selben Maße interessieren.
(Textbeitrag: Hanno Millesi)