in:visible city-Projekt: “MAKING THE INVISIBLE VISIBLE”

von Sylvia Kummer

Der Beginn einer Recherche für ein Projekt setzt stets mit einer intensiven Phase der Beobachtung, des „Erspürens“ ein, gefolgt von fotografischen sowie skizzenhaften Aufzeichnungen. Die Reflexionen des Erlebten werden sodann im Atelier weiterverarbeitet und finden sich anschließend in meinen künstlerischen Arbeiten wieder. Das Nicht-Sichtbare, Transzendente, Wiederholbare – und doch nicht Wiederholbare – übt von jeher Faszination auf mich aus und verdient, aufgezeichnet werden. Dabei ist jede einzelne Phase ein Experiment, weil sich nie voraussagen lässt, wie sich ein einzelnes Projekt entwickeln wird.

So ließ sich auch nicht vorhersagen, ob es in China möglich sein würde, für mein neues
Projekt Informationen zu rekrutieren [ev. „an Informationen heranzukommen“ statt rekrutieren]: Tatsächlich konnte ich aber auch in China relativ frei recherchieren, interessantes Datenmaterial zusammenstellen und dann vor Ort künstlerisch „übersetzen“. Die Themen dazu ergaben sich durch eine Vielzahl an Gesprächen mit Menschen aus Hangzhou, Shanghai und Umgebung. Es wurde viel erzählt, wobei es interessant war zu beobachten, welches Mitteilungsbedürfnis in vielen Menschen steckt, das jedoch im täglichen Leben oft verschüttet bleiben muss, weil vieles nicht ausgesprochen werden darf. Das in Aspern im Rahmen von experimonde präsentierte Projekt zeigt einen Mann, der über seine momentane Situation, nämlich die geplante, angeordnete Umsiedlung reflektiert. Die Umstände, unter denen manche Menschen heute in China leben müssen, werden sicht- und spürbar, auch wenn man den Inhalt nicht verbal erfassen kann. Genau an diesem Punkt setzte ich an: Ich versuchte, das Nicht-Gesprochene, das „Zwischenden-Zeilen-Stehende“ zu transportieren, einzufangen und nannte mein Projekt schließlich „making the invisible visible.“ Die „durchsichtige Blase“, die jederzeit platzen oder auch wachsen und daher als „seed“ (Samenkorn) für Auseinandersetzung, Offenheit, Demokratie gesehen werden kann, verkörpert durch ihre mehrdeutige Aussage den Zwischenraum und die multiplen Auslegungen einer Situation.