Ausstellung “Neo-Geo” von stadt.schreiber Hanno Millesi im Literaturhaus Wien

Donnerstag, 4. April bis Donnerstag, 27. Juni 2013

Begleitveranstaltung “Granturismo” am Dienstag, 14. Mai 2013 ab 19.00 Uhr mit Beiträgen von Xaver Bayer, Kerstin CmelkaAnn Cotten und Hanno Millesi

Zur Arbeit des Schriftstellers Hanno Millesi gehören auch bildnerische Werke in Form von Collagen. Unter dem Titel Neo-Geo zeigt das Literaturhaus Wien einige davon. Für seine Collagen löst der Schriftsteller fremde Erzählungen aus ihrem visuellen und narrativen Kontext und reinszeniert sie in veränderter Form. Auf dem zweidimensionalen Bildträger taucht er in eine visuelle Imaginationswelt ein und orientiert sich in dieser mithilfe einfacher Sätze aus anders gemeintem Zusammenhang. Den neu arrangierten Formulierungsversuchen haftet etwas von einer Projektion an, einer Anleihe, um eigentlich etwas ganz anderes zu sagen.
Barbara Zwiefelhofer, Literaturhaus Wien

Zur Ausstellung hat Xaver Bayer einen Text verfasst.

Ausstellungsort: Literaturhaus Wien, Seidengasse 13, 1070 Wien
Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag 9.00 bis 17.00 Uhr und im Rahmen der abendlichen Veranstaltungen des Literaturhauses

Website von Hanno Millesi: www.ignorama.at

stadt.schreiben: Künstliche Intelligenz

In einem Anfall von Mitgefühl befreie ich eine Topfpflanze aus ihrem tönernen Gefängnis. Ich habe beschlossen, sie der Freiheit zu überantworten, stecke sie in einen Nylonsack und mache mich auf die Suche nach einer Grünfläche, der ihr zukünftig als Lebensraum dienen soll. Wo ich wohne, ist das gar nicht so einfach. Als ich ein winziges, von rechteckigen Steinen gesäumtes Fleckchen Erde finde und darauf zusteuere, kommt mir ein hässlicher, kleiner Hund zuvor und pinkelt an den einzigen Strauch, der aus dem Erdreich ragt. Mir dreht sich der Magen um. Ich verstehe nicht, warum der Hund nicht angeleint ist, aber das ist er ohnehin, warum er keinen Beißkorb trägt – er trägt einen, ich habe ihn irrtümlich für seine Schnauze gehalten – und schließlich, warum er nicht vor einer Supermarktfiliale angebunden ist und jeden, der durch die elektrisch gesteuerte Tür kommt, erwartungsvoll anblickt, wie sich das für einen Hund in der Großstadt gehört. Auch bei der nächsten Grünfläche habe ich kein Glück.

(Textbeitrag: Hanno Millesi)

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stadt.schreiben: Wo bist Du?

Was denkt ein Hund über mich? (Gehen wir einmal davon aus, dass ein Hund in gewisser Weise „denkt“.) Der Hund liegt auf dem Teppich. Ich sitze am Schreibtisch. Der Hund schläft, aber er schläft auch nicht. Der Hund blinzelt ab und zu, schaut, was ich tue. Er ist ruhig, weil er mich in Sicherheit weiß. Käme ein Fremder in den Raum, würde er mich verteidigen. Der Hund sieht, dass ich seit einer Zeitspanne, von der ich nicht weiß, wie lange sie ihm erscheint, für mich sind es Stunden, auf ein Ding starre, es ab und zu berühre, weiterstarre. Für den Hund stellt sich die Frage, die mir Journalisten am liebsten stellen, nicht. Für den Hund ist ein Dichter und ein Wissenschaftler genau dasselbe. Der Hund legt mir einen toten Spatzen auf den Teppich und erwartet, dass ich mich freue. Der Hund hat sich, weil er mich von klein auf kennt, daran gewöhnt, dass ich meine Nase nicht in die schmutzige Erde unter Büsche am Straßenrand stecke. Weil er weiß, dass ich jemand aus seiner sozialen Umgebung bin, der so etwas nicht tut. Er versucht nicht, mich dazu zu überreden, dasselbe zu tun.

P.S.: Manchen Theorien zufolge wurden Hunde anfangs gar nicht als Helfer bei der Jagd oder als Sozialpartner domestiziert und gezüchtet, sondern als Nahrungsquelle. Die Tatsache, dass man in Asien bis heute Hunde isst, wird als Argument für diese Theorie angeführt.

(Textbeitrag: Andrea Grill)

Ein ganzer Kontinent kann gar nicht untergehen

Ravels Klavierkonzert in G-Dur wird die Veränderung bringen. Es soll mir helfen, meine Gedanken zu ordnen und auf ein gemeinsames Ziel zu richten. Der für mich nicht sichtbare Dirigent (es ist Claudio Abbado) führt nicht nur die Musiker des Orchesters durch die Partitur, sondern bedeutet auch mir, jegliche Ablenkung zu vergessen und mich seinem, Arabesken ins Nichts zeichnenden Dirigentenstab zu überlassen. Das kommt mir ein wenig übertrieben vor, schließlich bin ich Freischaffender. Ich beschäftige mich – so lobenswert das ist – nicht damit, das Werk anderer zur Aufführung zu bringen, sondern … außerdem habe ich noch nie mit Herrn Abbado gearbeitet und war bei keiner der Proben dabei. Ich hatte keine Gelegenheit, mich auf die – wie soll ich sagen – Handschrift dieses Meisters einzustellen. Ich bin immer zu spät dran und beschließe daher, Ravels Stück indirekt für mich arbeiten zu lassen. Ich begegne ihm wie dem Verkehr vor dem Fenster, dem Soundtrack der Stadt, der ein Bestandteil ist, der dazu gehört, vor dem es kein Entkommen gibt.

(Textbeitrag: Hanno Millesi) Weiterlesen →

stadt.schreiben: Zimmerflucht

 

Als ich die Augen wieder aufmache, entdecke ich einen Schillerfalter auf meinem Fensterbrett. Er scheint sich zu überlegen, ob er hereinkommen oder weiterfliegen soll. Immerhin stand das Fenster offen, es spricht also nichts dagegen, sich anzuschauen, wie die Menschen so leben.

(Textbeitrag: Hanno Millesi) Weiterlesen →

stadt.schreiben: Tom Waits

What’s he building in there?

What the hell is he building in there?

He has suscriptions to those magazines …

He never waves when he goes by …

He’s hiding something from the rest of us …

He’s all to himself …

I think I know why …

 

(What’s He Building? zitiert von Hanno Millesi) Weiterlesen →

stadt.schreiben: Matta-Clark

Am Küchentisch dürfte ich nochmals eingenickt sein. Auf alle Fälle schreckt mich ein Geräusch auf, das wie das Zusammenklappen der Absätze strammer Soldatenstiefel klingt. Ein metallener Klacks. Es handelt sich um den Toaster, aus dem zwei Toastscheiben in die Höhe schießen – als öffne sich die Startbox eines hoch dotierten und mit Amphetaminen voll gestopften Rennpferds. Es kann losgehen! In ihrer Parallelität erinnern mich die beiden Toastscheiben daran, dass der Mensch zwei Seiten hat. Wie in einem Wörterbuch ist er in eine linke und eine rechte Spalte aufgeteilt. Links und rechts geht es um die gleichen Begriffe, aber das erkennt nur, wer mit dem dahinter verborgenen System vertraut ist.

(Textbeitrag: Hanno Millesi) Weiterlesen →

stadt.schreiben: Ratgeber zur Wohnungsfrage

Giorgio de Chirico, Der beängstigende Vormittag, 1912 Öl auf Leinwand 81x65cm (VAF-Stiftung, Rovereto)

Giorgio de Chirico, Der beängstigende Vormittag, 1912 Öl auf Leinwand 81x65cm (VAF-Stiftung, Rovereto)

Fordert ein Badezimmer auf der Sonnenseite, es sollte einer der größten Räume der Wohnung sein, so groß wie früher der Salon zum Beispiel: wenn möglich mit einer Wand, die nur aus Fenstern besteht und auf eine Terrasse zum Sonnenbaden hinausgeht: Waschbecken aus Porzellan, Bad, Duschen, Turnapparate. Nebenraum: Raum zum An- und Ausziehen. Zieht euch nicht in eurem Schlafzimmer um. Das ist nicht ganz appetitlich und bringt unangenehme Unordnung mit sich.

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stadt.schreiberin Andrea Grill liest aus ihren Texten (c) Philipp KerberHanno Millesi und Andrea Grill liesen aus ihren Texten zum Literaturprojekt stadt.schreiben (c) Philipp Kerberstadt.schreiber Thomas Ballhausen liest aus ihren Texten (c) Philipp KerberLesung und Performance: stadt.schreiben (c) Philipp KerberLesung und Performance: stadt.schreiben (c) Philipp KerberLesung und Performance: stadt.schreiben (c) Philipp KerberLesung und Performance: stadt.schreiben (c) Philipp KerberLesung und Performance: stadt.schreiben (c) Philipp Kerber

Fotorückblick stadt.schreiben: Lesung und Performance

Rund 30 Personen folgten am 11. Juni 2012  in der neuen FABRIK PUBLIK den Textvorträgen von Hanno Millesi, Andrea Grill und Thomas Ballhausen.
Die Performance system_m eröffneten FIDE Weltschachbundmeister Harald Pingitzer  (Kampfstärke 2300 ELO Punkte) und dem österreichischen Meister René Schwab (Kampfstärke 2200 ELO Punkte) mit einer Partie Bullet-Schach auf dem Rücken des Performers Daniel Aschwanden. Er versetzte die beiden Schachmeister auch physisch in Bewegung, indem er kontinuierlich seine Position im Raum veränderte und diese notgedrungen folgen müssten, wollten sie zum Zug kommen.
Eine weitere Partie Schach im Modell der FABRIK PUBLIK löste abwechselnd 64 Textfragmente Thomas Ballhausens aus,  ehe im letzten Teil der Performance Daniel Aschwanden in den Projektions- bzw. Klangräumen von Conny Zenk und Matthias Hurtl improvisierte.

stadt.schreiben: Im Haus der Möglichkeiten

Ich wohn’ im Haus der Möglichkeit –

kein schöneres als das –

mehr Fenster hat es – besser Türen,

als Prosa je besaß –

(Emily Dickinson, zitiert von H. M.)

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stadt.schreiben: Frankie Goes To Hollywood

Um den Straßen, Gässchen und Wegen der in absehbarer Zeit hier aus dem Boden wachsenden Stadt nicht unbeabsichtigt Namen zu verpassen, die zu in Wahrheit unrühmlichen Persönlichkeiten gehören, folge man dem Ruf thematisch geeigneter, trotz oder gerade wegen ihrer Harmlosigkeit allseits beliebter Evergreens. Manch einer wird vielleicht zum Nachdenken angeregt, ein anderer hat einfach nur Freude. Sobald man eine Straße entlang geschritten ist, biegt man in eine andere – der Weg darf nicht mit dem Ziel verwechselt werden.

Anregungen: My Way-Straße, You Never Walk Alone-Weg, Über sieben Brücken musst du gehen-Gasse, Bridge Over Troubled Water-Brücke, Why Don’t We Do It In The Road-Radweg, Burning Down The House-Haus.

(Textbeitrag: Hanno Millesi) Weiterlesen →

stadt.schreiben: Angezählt

Als ich in der Zeitung lese, dass die Fertigstellung eines viel diskutierten Bauprojekts am Rande der Stadt nicht, wie vorschnell verlautbart wurde, fünfzehn, sondern fünfundzwanzig Jahre in Anspruch nehmen werde, denke ich zum ersten Mal ernsthaft ans Sterben.

(Textbeitrag: Hanno Millesi) Weiterlesen →

stadt.schreiben: Firmament

 

Als ich mitten in der Nacht aufwache, denke ich, das könnte eine gute Gelegenheit sein, mir die Sterne anzusehen. Vom Schlafzimmerfenster aus geht das nicht, weil ein Parkhaus die Rückseite jenes Gebäudes, in dem sich meine Wohnung befindet, überragt und seine aufdringliche Beleuchtung meine Augen beim Blick nach oben blendet. Das Küchenfenster öffnet sich in einen Lichtschacht. Den Himmel sieht nur, wer den Blick steil nach oben richtet. Das oberste Segment des Küchenfensters, merke ich jetzt, ist allerdings so schmutzig, dass alles nach Bewölkung aussieht.

(Textbeitrag: Hanno Millesi) Weiterlesen →

stadt.schreiben: Das Haus am Keaton Place

(Image: Stefan Lux)

Dieser Bausatz beinhaltet in seiner vollzähligen Ausführung alle Elemente eines Fertigteilhauses, dessen Einzigartigkeit darin besteht, dass es, was die Technik betrifft, von jedem halbwegs geschickten Hobbyhandwerker zusammengebaut werden kann. Spezifisches Know-how wie Statik, Schweißen, Tischlern ist nicht erforderlich.

(Textbeitrag: Hanno Millesi) Weiterlesen →

stadt.schreiben: Nonument

Wie ein Denkmal für eine noch zu bauende Stadt aussehen könnte? Das Denkmal ist der menschliche Körper. Er sei die größte Attraktion dieses Wohn- und Lebensraums. Weiterlesen →

stadt.schreiben: Wohin kommt welches Gebäude?

Darüber haben sich bereits zahlreiche Architekten den Kopf zerbrochen, und sie werden es weiterhin tun. Sie sprechen aus Erfahrung, haben einiges ausprobiert und verfügen über gediegene Argumente. Ich hingegen besuche die Baustelle mit Cindy, der bernsteinfarbenen Angora-Katze meiner Nachbarin. Alle Architekten, die anwesend sind, schielen mit Argwohn aber auch unverhohlener Neugier zu mir herüber. Die Katze halte ich in meinen Armen. Ehe ich sie losschicke, flüstere ich ihr etwas ins Ohr, was sie natürlich nicht versteht. Ich mache das nur, um die Architekten vollends aus der Fassung zu bringen. Auf der Suche nach der für sie symptomatischen Souveränität tuscheln sie untereinander. Cindy nickt ihr konspiratives Katzennicken, dann macht sie sich auf den Weg, kriecht unter Fahrzeuge, schaut in Baugruben, verschwindet im Container des Arbeitertrupps, kommt angewidert wieder heraus, schmiegt ihren Körper an einen der mächtigen Betonklötze, die Kräne am Umfallen hindern. Sie begutachtet die Zelte einiger Studenten, die sich zu Studienzwecken auf der Baustelle aufhalten, und gräbt welche von den Kräutern aus, die jemand, seiner eigenen Definition zufolge, liebevoll hier gepflanzt hat. Allmählich kommt das Tier zur Ruhe. Es kehrt zu dem Betonblock zurück, umkreist ihn und legt sich genau dorthin, wo er einen Schatten auf den Erdboden wirft. Hier muss ein Gebäude errichtet werden, sage ich und mache mir eine Notiz. Die Architekten setzen eine eisige Miene auf und schütteln verbittert ihre Köpfe.

(Textbeitrag: Hanno Millesi) Weiterlesen →

stadt.schreiben: Hausbesetzer

Die letzte Enteignung ­habe ich gestern Nachmittag vorgenommen. Ein greller Aufkleber, der einen Preisnachlass von 30% versprach, wanderte in einem unbeobachteten Augenblick von einer Packung beinahe abgelaufener Rahm-Karotten auf einen 400 Gramm schweren Karton Riesengarnelen, für die die Geschäftsleitung des Supermarktes einen unverschämt hohen Preis verlangt. Als Autor, der an die Zukunft denkt, lege ich Wert auf abwechslungsreiche Ernährung. Ich kann nicht nach einer bestimmten Diät leben wie die Verfasser von wöchentlichen Kolumnen oder Fortsetzungsromanen. Was den Speisezettel betrifft, darf es für mich keine Einschränkungen geben.

Ich habe auch darüber nachgedacht, ob und in welcher Form sich Ideen enteignen ließen. Mir schwebt die Inbesitznahme brach liegender Gedanken als Maßnahme gegen länger andauernde Ideenlosigkeit vor. Niemand kann es verübeln, wenn man sich toller Ideen bedient, die zwar jemand anderer ausgeheckt haben mag, der- oder diejenige sie aber, aus welchen Gründen auch immer, nicht verwendet. Sei es, weil er oder sie mehr gute Einfälle hat als Veröffentlichungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen, oder unnötigerweise länger daran herumgedoktert werden soll, als nach allgemeinem Ermessen verträglich. Voraussetzung ist natürlich, es gelingt, sich in den Besitz einer solchen Idee zu bringen, ohne dabei ihrem Urheber oder der Idee selbst in irgendeiner Form Schaden zuzufügen. Sodann besteht das moralische Recht, nach besten Wissen und Gewissen auszuschlachten, was man besetzt hält. Zumindest bis ein richterlicher Beschluss jedes weitere Ausschlachten untersagt. Mit etwas Glück lässt sich in der Zwischenzeit ein anderer guter Einfall auftreiben, dessen Eigentümer sich offenbar nicht allzu viel daraus machen.

(Textbeitrag: Hanno Millesi) Weiterlesen →

stadt.schreiben: En plein air

In meinem Nachtkästchen fand ich einen Brief von René Magritte. Das ist nichts Ungewöhnliches, fungiert mein Nachtkästchen doch, wie ich herausgefunden habe, als eine Art toter Briefkasten und stellt auf diese Weise eine Verbindung mit dem Jenseits her. Personen, die sich dort aufhalten, dient er gelegentlich zur Kommunikation mit dem Diesseits. Ich bin sicher, es gibt eine ganze Reihe solcher Schnittstellen und fühle mich deswegen keinesfalls privilegiert oder gar auserwählt wie manch anderer, befände er sich in einer vergleichbaren Situation.

Wie aus dem Brief hervorgeht, verbrachte René Magritte den größten Teil seiner Kindheit in einer riesigen Siedlung mit hunderten von Wohnungen, mehrstöckigen Wohnblöcken, einem Einkaufszentrum und einem Pensionistenklub (Haus der Silberrücken). Für die Kinder der Siedlung hatten die Architekten in ihren weißen Mänteln lediglich ein paar schmale Rasenstreifen zwischen den Belüftungsschächten des Kellers, den Parkflächen und Müllplätzen mit den verschieden farbigen Tonnen vorgesehen. So kam es, dass René eine dieser Rasenflächen zu seinem ersten Atelier erklärte.

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stadt.schreiben: Pantoffelheld

Bild

Unter meinem Sofa herrscht absolute Ruhe. Es ist der ideale Ort für ein Gespräch, bei dem man nicht gestört werden möchte. Die hektischen Bedingungen des Alltags sind hier unten kaum zu spüren. Unter diesen, ein wenig eigentümlichen Umständen unterhielt ich mich zuletzt mit Emile Beyle, besser bekannt unter seinem literarischen Pseudonym: Stendhal. Allzu verwunderlich ist das nicht, schließlich kommt niemand im Rahmen einer Auseinandersetzung mit Aspern, seiner Umgebung und seiner Geschichte an der großen Schlacht vorbei, die sich Napoleon hier 1809 mit seinem Widersacher Erzherzog Karl von Habsburg geliefert hat. An dieser Auseinandersetzung nahm Stendhal – das mag glauben, wer will – als Angehöriger der französischen Armee teil. Wie übrigens auch an anderen, die uns jedoch an dieser Stelle nicht im selben Maße interessieren.

(Textbeitrag: Hanno Millesi)

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stadt.schreiben: Entertainment Cities

Über Städtebau und Urbanistik gibt es eine Fülle empfehlenswerter Literatur. Einige diesbezügliche Texte habe ich mir vorgenommen, bin jedoch an jedem einzelnen gescheitert. Frustriert beschließe ich, mich mithilfe eines Tricks in den Besitz zumindest der grundlegenden Erkenntnisse auf diesem Gebiet zu bringen. Weiterlesen →

stadt.schreiben: Gotham

Wir stellten uns vor, wie diese Stadt aussehen würde, wenn es keine Planungsbehörden gegeben hätte und wenn die Stadt von Erpressung und Verbrechen regiert worden wäre, eine Stadt ohne Bauordnungen und Gesetze, die etwa festlegen, dass Hochhäuser so gebaut werden, dass immer noch Licht in die Straßen fallen kann. Stattdessen holten wir soviel wie möglich heraus, überbrückten Straßen und ließen die Bauten nach oben hin auskragen, statt sie von der Straße zurücktreten zu lassen. Es war, wie Tim Burton sich einmal ausdrückte, als sei die Hölle durch das Straßenpflaster hervorgebrochen und hörte nicht auf weiter zu wachsen.

Jody Duncan Shannon, 1990 über die Bauten für Batman, 1989 Regie: Tim Burton

(Textbeitrag: Hanno Millesi)

stadt.schreiben: Die 36 Wirtschaftskammern (HM)

Der Traum vom Glück ist die Realität gewordene Möglichkeit, alles so aussehen zu lassen, als ob kein Grund zur Verzweiflung bestünde. Der Traum kann dazu übergehen, alles, was wirklich ist, restlos zu absorbieren. Lange wurde daran gearbeitet. Allmählich zeichnet er sich in seiner ganzen Unmenschlichkeit ab. Nichts trennt ihn mehr vom Alltäglichen. Es gibt viele Möglichkeiten, sich diesem Traum anzunähern. Man passt ihn den Umständen an, man sieht ihn für jemand anderen vor und versucht diesem Vorstellungsbild zum Verwechseln ähnlich zu sein.

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stadt.schreiben: Beziehungen zwischen abwesenden anderen (HM)

Leben wir etwa in einer ästhetischen Halluzination des Realen fragt Baudrillard und jemand antwortet: Das Reale wird doch schon längst durch lauter Zeichen des Realen substituiert. Ich bin mir dessen bewusst und auch, dass ein Satz wie dieser über meinem Text stehen könnte. Vielleicht sogar über meinem Leben. Weiterlesen →

Matinee "Happy Bastards" (c)dadaXMatinee "Happy Bastards" (c)dadaXLesung Hanno Millesi (c)dadaXLesung Andrea Grill (c)dadaXsuppe und brote (c)dadaXsuppe und brote (c)dadaXsuppe und brote (c)dadaXsuppe und brote (c)dadaXSpaziergang mit Daniel Aschwanden (c) Constantin MayerSpaziergang mit Daniel Aschwanden (c) Constantin MayerSpaziergang mit Daniel Aschwanden (c) Constantin MayerSpaziergang mit Daniel Aschwanden (c) Constantin MayerSpaziergang mit Daniel Aschwanden (c) Constantin MayerSpaziergang mit Daniel Aschwanden (c) Constantin MayerSpaziergang mit Daniel Aschwanden (c) Constantin MayerSpaziergang mit Daniel Aschwanden (c) Constantin MayerSpaziergang mit Daniel Aschwanden (c) Constantin Mayer

stadt.schreiben: Matinee “Happy Bastards” mit Andrea Grill und Hanno Millesi

Am Sonntag, 16. Oktober 2011, fand in Zusammenarbeit von aspern Seestadt PUBLIK und dem Literaturhaus Wien die Matinee “Happy Bastards” statt.

stadt.schreiber Hanno Millesi las unveröffentlichte Skizzen mit dem Titel „Afterglory – über die Ausbeutung von Geschichte in ihrem theoretischen Wert als Abwesenheit“ und stellte sie in losen Zusammenhang mit aspern Die Seestadt Wiens. Er beschrieb persönliche Eindrücke und Gedanken zur Architektur im Kleinen (Wohnung) und Großen (Städtebau).

stadt.schreiberin Andrea Grill las aus ihrem ersten Lyrikband „Happy Bastards“ über Nachbarn, Beamte, Väter, Mütter und nicht zuletzt Citypeople. Während ihrer Lesung lies Andrea Grill Fotos projizieren, die sie auf einer Fußwanderung vom 7. Bezirk in die Seestadt gemacht hatte.

Der anschließende Brunch stärkte für den performativen Spaziergang mit Daniel Aschwanden, in dem es auch darum ging, Blickwinkel und Sichtweisen zu verändern.

Textproben von den stadt.schreibern:

Andrea Grill:

http://blog.aspern-seestadt.at/?p=3266

Hanno Millesi:

 

 

 

http://blog.aspern-seestadt.at/?p=3301

 

 

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stadt.schreiben: Matinee „Happy Bastards“ mit Lesungen, Brunch & Spaziergang

Sonntag, 16. Oktober 2011, 12:00 Uhr

aspern Seestadt PUBLIK und das Literaturhaus Wien laden im Rahmen von „stadt.schreiben“ zur literarischen Matinee „Happy Bastards“ am Sonntag, 16. Oktober 2011 am Baustellengelände der zukünftigen Seestadt. stadt.schreiberin Andrea Grill liest aus ihrem ersten Lyrikband „Happy Bastards“ über Nachbarn, Beamte, Väter, Mütter und nicht zuletzt Citypeople. stadt.schreiber Hanno Millesi liest unveröffentlichte Skizzen mit dem Titel „Afterglory – über die Ausbeutung von Geschichte in ihrem theoretischen Wert als Abwesenheit“ und stellt sie in losen Zusammenhang mit aspern Die Seestadt Wiens. Der anschließende Brunch stärkt für den performativen Spaziergang mit Daniel Aschwanden, mit dem die Matinee ausklingt. Weiterlesen →

stadt.schreiben HM

Als das Telefon läutet, bin ich im ersten Moment überzeugt, dass es jener Anruf ist, auf den jeder Schriftsteller insgeheim wartet. Ein paar Minuten später weiß ich: Eine Gruppe von Menschen hält es für sinnvoll, mich einzuladen, die Entstehung einer Siedlung an der Stadtgrenze zu beobachten und zu kommentieren. Ich bin überglücklich. Es gibt Menschen, die von mir etwas über soziale Belange hören möchten. Zweifellos unter Berücksichtigung der Tatsache, dass ich Bezüge mit Vorliebe indirekt herstelle und auf bestimmte Missstände mit Hilfe subtiler Bemerkungen eingehe. Wieso wäre man ansonsten auf mich verfallen? Ich werde genau hinschauen. Aber es ist nicht nur das. Ich frohlocke, weil im Grunde alles in mir Architektur ist. Entwurf, Fundament, Konstruktion, Baustellen für einen Lebensraum, die nur darauf warten, in Worte gefasst zu werden. Mein Kopf steckt voller architektonischer Ideen. Aufriss, Umriss, Grundriss. Zum Beispiel bin ich einem uralten Traum zufolge für alle anderen nicht sichtbar. Ich halte mich von ihnen unbemerkt in ihrer Umgebung auf, höre, was sie sagen, höre, was gar nicht für mich bestimmt ist, überrasche jemanden, der etwas gesagt hat, vielleicht sogar mit Kenntnissen, von denen er nicht weiß, wie um alles in der Welt ich sie mir habe verschaffen können. Bislang bin ich diesem Ziel trotz intensiver Bemühungen keinen Schritt näher gekommen. Meine Taktik besteht darin, mich unter das Sofa im Wohnzimmer zu legen und zu warten, ob irgendwer darauf Platz nimmt und mit jemand anderem, der oder die sich ebenfalls dort hinsetzt, eine Unterhaltung beginnt. Zur Not würde es auch reichen, wenn eine Person von meinem Sofa aus telefoniert. Aber auch das ist unwahrscheinlich. Ich lebe allein. Und warum sollte jemand in meiner Wohnung Vertraulichkeiten ausplaudern? Schließlich könnte sein Telefon abgehört werden. Das ist heute keine Seltenheit mehr. Ich liege also oft stundenlang unter dem Sofa und weiß doch, dass es vergeblich ist. Da unten habe ich Zeit, über verschiedene Dinge nachzudenken. Es ist auch bereits vorgekommen, dass ich unter dem Sofa liegend eingeschlafen bin. Aus meinen Gedanken werden dann Träume, ein Nachdenken, das sich dem Diktat der Vernunft entzieht.

stadt.schreiben HM

Beim Gedanken an meinen schriftstellerischen Stil stellt sich die Frage, ob es mir eines Tages gelingen wird, mit meinem Schreibtisch zu verwachsen. Dazu ziehe ich mich aus, lege sämtliche Kleidungsstücke ordentlich zusammen und arrangiere sie auf der Tischplatte, als handle es sich um Lampe, Aschenbecher und Lieblingsstift. Dann ziehe ich sämtliche Laden aus dem Schreibtisch, hänge die Türen der seitlichen Fächer aus und krieche von unten in das hölzerne Gestell. Wo die mittlere Lade war, blicke ich jetzt hindurch wie durch den Sehschlitz am Visier eines robusten Helmes. Mein Blick fällt auf den Schreibtischsessel, auf dem niemand sitzt. Meine Beine lassen sich abgewinkelt in den seitlichen Fächern meines Schreibtisches unterbringen, meine Arme verlaufen entlang des Gehäuses der schmäleren Laden links und rechts. Wo sich die Griffe der seitlichen Laden befanden, schauen jetzt meine Hände heraus, als gehörten sie zum Inventar des Tisches. Oder als habe sich ein Mensch in einen Tisch verwandelt, nur eben nicht vollständig. Das da waren seine Kleider, das da sind seine Finger.

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Auf dem Gelände wurde mit dem Bau des Waldes begonnen. Ich sage bewusst Bau, denn dieser Bau war nicht gewachsene Architektur, sondern ein von geheimnisvollen Kräften erschaffener Dom, dessen über zwei Meter im Durchmesser betragende Baumpfeiler sich astlos in ein dämmeriges Dunkel zu reckten. Einzelnen breiten Sonnenbahnen gestattete das nie sichtbare Laubdach, das Dunkel zu erhellen. Über diesen Wald ist bei Regiesitzungen lange diskutiert worden. (Erich Kettelhut, um 1960 über die Bauten für den Film die Nibelungen, 1924 Regie: Fritz Lang)

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Die urbane Entwicklung von aspern Die Seestadt Wiens wird begleitet von einem kulturellen Dialog. Einen Teil des Dialoges bildet der Auftrag an die drei AutorInnen Thomas Ballhausen, Andrea Grill und Hanno Millesi, sich mit Geschichte, Gegenwart und geplanter Entwicklung dieses historisch vielseitig aufgeladenen Stadtteils von Wien literarisch auseinander zu setzen.

„Die beteiligten werden am Ende des Projektes einen Text zur Verfügung stellen, der in der Begegnung und Auseinandersetzung mit der städteplanerischen Entwicklung entstehen soll: ‚stadt.schreiber’ begleiten die ‚Stadtwerdung’“, so Robert Huez vom Literaturhaus Wien. In Lesungen vor Ort, aber auch im Weblog kann das Publikum an den Text gewordenen Inspirationen teilhaben.

Projektpartner/Veranstalter: Literaturhaus Wien